Mein Baby verweigert die Brust! – 8 Gründe und eine Lösung, die viel zu selten erwähnt wird

Das Baby schreit. Was könnte es denn gerade haben? Hunger? Prüfender Blick auf die Uhr. Tatsache, etwa 3 Stunden sind seit der letzten Mahlzeit vergangen. Es muss der Hunger sein! Zügig das Still-Lager präpariert, Brust massiert, Baby positioniert –und dann das: das Baby verweigert die Brust! Es will einfach nicht trinken! Also schon irgendwie, aber dann doch nicht so richtig. Es dockt an und ab, schreit, dreht hektisch den Kopf hin und her.

Mama treten die ersten Schweißperlen auf die Stirn – nun trink doch! Die Versuche, dem krakelenden Kind die Brust in den Mund zu schieben, scheitern zunächst. Dann kneift das Baby mit seinem zahnlosen Kiefer die Brustwarze – autsch! Der Milchspendereflex setzt ein, das Baby bekommt ein nasses Gesicht und schreit immer noch aus Leibeskräften. Was ist denn hier nur los?

Ein Klassiker, der viele Mütter verzweifeln lässt und zur Flasche – also natürlich zum Fläschchen – greifen lässt: das Baby verweigert die Brust! Obwohl es doch eindeutig Hunger hat! Und siehe da: wird das Baby nach vielen verzweifelten Versuchen dann versuchsweise mit dem Fläschchen gestillt, lässt es sich zum Trinken überzeugen.

Muss jetzt abgestillt werden? Nein! Denn hier liegt ein Missverständnis vor.

Ist das ein Stillstreik?

Ein unruhiges, zappeldes Baby, das die „Brust anschreit“ und sich beim besten Willen nicht zum Stillen bewegen lassen will – diese Symptome werden gemeinhin als Stillstreik oder Brustschimpfphase bezeichnet.

Mögliche Ursachen, die zum Stillstreik führen

Zumeist werden die Ursachen für einen Stillstreik in zwei große Kategorien unterteilt: äußere Ursachen, die in der Umgebung zu finden sind und innere Ursachen, die „im Kind“ zu finden sind. Der Vollständigkeit halber führe ich sie hier auf, meist ist die Lösung aber einfacher.

Äußere Ursachen – ist hier irgendwas komisch?

Wenn dein Baby sich grundsätzlich überall stillen lässt – vom sonnendurchfluteten Outdoorpicknick bis zum trubeligen Flughafen, und sich auch sonst eigentlich von nix aus der Ruhe bringen lässt, würde ich an deiner Stelle direkt im nächsten Absatz weiterlesen.

Zu den äußeren Ursachen werden eine ungewohnte Umgebung (z.B. durch Urlaub oder Besuch), unangenehme Gerüche durch eine neue Seife/Parfüm der Mutter oder ein neues Waschmittel, oder auch eine längere Trennungsphase zwischen Mutter und Kind genannt. Generell wird gern die Reizüberflutung ins Feld gebracht, die ich aber vor allem bei sensiblen Kindern zählen lasse, die außer Schreien irgendwann gar nix mehr auf die Kette kriegen, wenn sie „drüber“ sind. Beobachte gerne, ob sich bei einer Änderung dieser genannten Faktoren eine Besserung zeigt, ansonsten lies gerne weiter – meine beste Methode zur Beendigung des Stillstreiks kommt erst noch 😉

Innere Ursachen – ist dein Baby krank?

Mit inneren Ursachen sind insbesondere Erkrankungen des Kindes gemeint – insbesondere eine schmerzhafte Infektion im Mund (Soor, Hand-Mund-Fuß, …), Zahnungsschmerzen und ganz allgemein Schmerzen. Auch und besonders Ohrentzündungen sorgen dafür, dass Kinder sind nicht auf der Seite lagern oder gar ablegen lassen – weil im Liegen das Ohr besonders weh tut. Mit einer verschnupften Nase funktioniert das abwechselnde Saugen und Atmen schlecht bis gar nicht (hier können abschwellende Nasentropfen für Säuglinge oder ein paar Tropfen Muttermilch, die am besten vom Finger in die Nasenlöcher getropft werden, helfen).

All dies können Ursachen für schlechtes Trinkverhalten und generelles Schreien und Unwohlsein beim Baby darstellen. Allerdings ist meine Erfahrung, dass ein krankes (insb. fieberndes) Kind zwar möglicherweise seltener trinkt (so wie man als Erwachsener mit Grippe auch über Appetitlosigkeit klagt und wenig zu sich nimmt) aber nicht grundsätzlich die Brust verweigert. Und gegen Schmerzen helfen sowohl der Zucker in der Muttermilch als auch die durchs Saugen ausgeschütteten Glückshormone. Und die Mutterbrust ist bei Krankheit oft ein sehr angenehmer Tröster.

Wenn du den Eindruck hast, dass dein Baby krank ist, dann ab zum Arzt!

Wenn es aber eigentlich keinen kranken Eindruck macht: wir nähern uns den letzten Erklärungs- und Lösungsansätzen:

Schreck beim Stillen

Eine mögliche und gravierende Ursache für den Stillstreik (die ich selber erlebt habe und bestätigen kann): das Baby hat sich beim Stillen erschreckt. Das kann z.B. durch ein lautes Geräusch passieren – wenn Mama plötzlich aufschreit, weil das Baby in die Brust gebissen hat. Oder das Baby hat sich im Moment des Stillens verletzt (durch einen Insektenstich, eingeklemmte Haut, ein verkleckertes Heißgetränk, dass man beim Stillen nie über das Baby halten sollte (!!!), …) und assoziiert jetzt das Trinken an der Brust mit diesem Schrecken oder Schmerz.

In der Folge verweigert das Baby die Brust – und vermutlich vor allem die Seite, an der gerade getrunken wurde.

Da hilft nur Geduld, und kreative Stillpositionen – war das Baby beim Schreck nach links geneigt, versuche, es nach rechts geneigt an der selben Brust trinken zu lassen. Lass dich bei Bedarf im Netz zu verschiedenen Stillpositionen inspirieren. Vorübergehend kann ein Umstieg auf das Füttern abgepumpter oder ausgestrichener Milch zu einer Entspannung der Situation beitragen.

Die eine Ursache, über die kaum einer spricht

Sollte sich dein Baby auch nicht erschreckt haben, sondern sich eher so benehmen wie ich es ganz zu Beginn des Textes beschrieben habe (hektischen Andocken und Abdocken, Hin- und Herdrehen des Kopfes), kommt hier der Joker: Häufig entspinnen sich diese Situationen dem Grundsetting, dass das Baby eben noch schlief, jetzt aber munter wird und schreit. Das Baby schreit aber nicht vordergründig, weil es Hunger hat (den hat es allerdings trotzdem), sondern weil Blase und/oder Darm drücken!

Wenn du dir jetzt denkst „Hä? Babys werden doch erst viel später trocken, die haben doch noch gar keine Kontrolle über Blase und Darm… hat jedenfalls der Kinderarzt gesagt!“ Lass dir versichert sein: Babys wissen, wann sie müssen – nur die Erwachsenen haben das irgendwann vergessen!
Mehr dazu erfährst du in diesem Blogartikel: https://www.baby-wegweiser.de/windelfrei-muss-mainstream-werden/

Trinken trotz voller Blase?

Dein Baby fühlt sich in etwa so:
Stell dir vor, du bist bei Freunden und musst dringend aufs Klo. Leider bieten dir deine Freunde zunächst etwas zu trinken an, worüber du dich durchaus freust, aber zuerst möchtest du dich erleichtern. Du fragst nach dem Bad, deine Gastgeber antworten: „Jetzt setz dich doch erstmal und trink einen Tee!“ – „Ich möchte aber zuerst auf Toilette!“ – „Jetzt ist aber grad der Tee fertig!“ – „Ich muss jetzt aber wirklich mal!!!“

Der Höflichkeit halber setzt du dich und trinkst ein paar Schlucke, aber deine Blase schlägt weiterhin Alarm, sodass du wieder aufstehst. Deine Gastgeber sind empört und wollen, dass du wenigstens austrinkst. Keine angenehme Vorstellung, oder?

Die Lösung: Baby abhalten

Solltest du also das Gefühl haben, dein Baby verweigert die Brust, will nicht mehr gestillt werden und du musst jetzt leider auf Fläschchen umsteigen (und keine der anderen Ursachen kommt dir passend vor), probier Folgendes aus: zieh deinem Baby die Windel aus und halte es so, dass die Beinchen angehockt sind, über die Kloschüssel (oder setze es auf ein Töpfchen). Wenn es nach, sagen wir, 30 Sekunden nicht gepieselt hat, darfst du nochmal über die anderen Ursachen nachdenken.

Baby wird über der Toilette abgehalten
Dein Baby verweigert die Brust? Vielleicht ist einfach nur die Blase voll! Abhalten wie auf dem Bild kann helfen!

Das Baby verweigert die Brust, trinkt aber aus dem Fläschchen?!

Aber warum trinkt es dann aus dem Fläschchen? Fast alle Fläschchen sind so konzipiert, dass automatisch Milch rausläuft auch wenn das Baby nicht aktiv saugt. Bekommt das Baby das Fläschchen in den Mund gesteckt, kann es entweder trinken oder sich verschlucken und husten. Die meisten Babys entscheiden sich nach einigem Ringen fürs Trinken und machen kurz darauf in die Windel. Danach ist dann auch Ruhe und das Baby trinkt relativ entspannt.

Aber egal, ob du mit Brust oder Fläschchen stillst – für dein Baby ist es sicherlich entspannter, mit leerer Blase frisch befüllt zu werden. Du wärst deinem Gastgeber vermutlich auch eher dankbar, wenn er dir nicht einfach die Teetasse an den Mund setzt, sondern dir freundlich den Weg zum Bad weist.

Erste Hilfe, wenn auch Abhalten keinen sofortigen Erfolg bringt

Durch einen „Stillstreik“ kommen Mütter schnell in Not (und spätestens dann weiß frau, warum Kühe so brüllen, wenn es Zeit zum Melken ist). Die überschüssige Milch sollte raus, das vereinfacht deinem Baby auch das Stillen, wenn es denn dann wieder mag. Erleichterung verschafft frau sich entweder mit Hilfe einer Milchpumpe oder mit dem händischen Ausstreichen der Milch nach einer leichten Brustmassage.

Wer mag, kann auch versuchen, die ausgestrichene Milch vom Löffel oder aus einem Gläschen zu füttern (das braucht etwas Übung – also nicht frustriert sein, wenn das nicht so easy klappt wie es klingt). Tipps zum stillfreundlichen Zufüttern hat die Stillberaterin Tabea Laue.

Dein Baby verweigert die Brust oder hat schon mal gestreikt? Was hat bei euch geholfen? Schreib mir einen Kommentar!

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