Besucherstress im Wochenbett?

Klopf klopf! Hektisch wird die Decke über das verrutschte Nachthemd gezogen und der Versuch, das Baby anzulegen unterbrochen. Die Tür öffnet sich und herein ins Krankenhauszimmer strömt die liebe Verwandtschaft. Eltern und Geschwister der frisch gebackenen Eltern – natürlich gleich mit dem eigenen Nachwuchs sowie Luftballon, Blumenstrauß und Windeltorte bewaffnet und wild entschlossen das neue Familienmitglied freudig zu begrüßen. Küsschen hier, Küsschen da – gleich mal ein Foto, „ich will auch mal halten!“ und „also die Ohren hat es vom Papa!“. Irgendwann fangen die mitgebrachten Kinder an, den Inhalt des Rollwagens nach Süßigkeiten zu durchsuchen, über fremde Betten zu klettern oder in Tränen auszubrechen, weil ihre eigenen Eltern gerade nur Augen für das neue Baby haben. Genau jenes Baby wird nun unruhig, fängt an zu quengeln – ach richtig, es sollte ja gerade gestillt werden – aber vor versammelter Mannschaft? Aber irgendwie mag die Verwandtschaft grad gar nicht so recht gehen. Entschuldigende, leicht gequälte Blicke werden mit den anderen frisch Entbundenen ausgetauscht. Die Rettung naht in Form einer resoluten Stationsschwester, die dem bunten Treiben ein Ende bereitet. Erschöpft und dankbar sinken die Verbleibenden in die Kissen und widmen sich dem Nachwuchs.

Auch wenn dieses Szenario aufgrund von Besuchereinschränkungen in Krankenhäusern im Jahr 2020 nicht ganz so realistisch sein mag, kann Besuch zu Hause ähnlich überwältigen. Damit euer Wochenbett möglichst besucher-stressfrei verläuft, gibt es hier ein paar Tipps und Tricks:

1) Reduziert den Besuch in den ersten Wochen auf ein Minimum – sowohl in Personenzahl als auch in der Dauer. Euer Baby braucht Zeit, die Geburt zu verarbeiten, um anzukommen, stillen zu lernen, euch kennenzulernen. Und auch ihr Eltern  braucht Zeit, um mit den großen Veränderungen klar zu kommen, vielleicht sind auch Geburtsverletzungen, Hormonschwankungen, schmerzhafter Milcheinschuss und das erste Schlafdefizit zu verkraften. Besuch verlagert den Fokus und zehrt die begrenzten Ressourcen auf.

2) Verschont auch die anderen Eltern im 2-, 3-, 4- oder 6-Bett-Zimmer der Entbindungsstation mit viel Besuch, auch wenn euer Besuch rücksichtsvoll ist. Legt euch Sätze parat, die ihr sagen könnt, um euren Besuch heim zu schicken. Weiht eine Hebamme oder Krankenschwester ein, die den Besuch hinauskomplimentiert, wenn ihr das selber nicht hinbekommt.

3) Umgebt euch nur mit Menschen, die euch gut tun, euch unterstützen und in deren Gegenwart ihr entspannt sein könnt. Das heißt, jede Person, bei der ihr denkt: „oh Gott, wie es hier aussieht, ich muss noch schnell aufräumen!“ oder „Da muss ich vorher noch Kuchen backen.“ oder „Ich sollte vorher mal wieder duschen/Haare waschen/frische Klamotten anziehen.“ ist kein geeigneter Gast in den ersten Wochen! Und dazu zählen auch die nächsten Angehörigen (Schwiegereltern stehen da leider besonders hoch im Kurs) – auch dann, wenn sie helfen, ihr die Hilfe aber nicht annehmen könnt.

4) Guter Besuch bleibt nicht lange, bringt was Leckeres zu essen mit (gerne selbstgekocht/gebacken) und räumt danach eigenständig alles wieder auf (und spült auch das Geschirr, das seit Tagen irgendwo rumsteht)!

Und für extra harte Fälle:

5) Ihr habt besonders penetrante Verwandte, die gerne unangekündigt auf der Matte stehen und von denen ihr wisst, dass sie euch den letzten Nerv rauben werden? Nennt einen errechneten Geburtstermin, der weit hinter dem echten liegt, verheimlicht die Geburt, sagt erst Bescheid, wenn ihr einen solchen Besuch verkraften könnt. Stellt grundsätzlich die Klingel aus. Ja, sie werden es euch übel nehmen (vielleicht auch nicht!), aber dann stecken da Konflikte im Verborgenen, die auch ein zeitiger Besuch nicht wettmachen kann.

Nehmt euch die Zeit, die ihr braucht, um klarzukommen! Irgendwann hat sich eine Art Alltag eingestellt und Besuch ist für alle Beteiligten besser zu verkraften. Und WANN das ist, bestimmt ihr als Eltern!

Welche Erfahrungen mit Besuch im Wochenbett hast du gemacht? Schreib mir einen Kommentar!

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