Smombie-Eltern auf dem Spielplatz – Smartphones für die Flucht aus dem Alltag

Kennst du sie auch? Bist du einer von Ihnen? Smombie-Eltern, die während sie den Kinderwagen schieben, Mails checken? Und auf dem Spielplatz bei Facebook rumhängen? Um dem Alltag zu entfliehen?

Selbst die Sendung mit der Maus hat sie aufgegriffen, die Eltern, die vor lauter Smartphone-Gedaddel ihre Kinder aus dem Blick verlieren (Vorsicht: Ohrwurm-Gefahr!). Die Gründe für den Handykonsum klingen an: informiert sein wollen, immer up-to-date. Im Video gibt es ein Happy End – in meinem Erfahrungsbericht leider nicht. Dafür den Versuch zu ergründen, warum Eltern zu Smombies werden.

Die Smombies kommen (eine wahre Geschichte)

Smombie: Jugendwort des Jahres 2015, Zusammensetzung aus den Wörtern „Smartphone“ und „Zombie“, bezeichnet Menschen, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so stark abgelenkt sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen

Es war sonnig, aber nicht zu warm, prima Spielplatzwetter. Während ich mein Kind anschaukelte, erreichte ein interessanter Tross den Spielplatz. Eine vierköpfige Familie: Mama, Papa und zwei Kinder, die beiden vielleicht so im Grundschulalter. Was mir als Erstes auffiel: die Eltern liefen nicht – sie wurden von ihren Kindern regelrecht geführt – und das war auch nötig, denn sie schafften es nicht, die Blicke von ihren Smartphones abzuwenden.

Papa, spielst du mit mir?

Die Eltern setzten sich auf eine Bank, beide Augen und Hände an ihre digitalen Endgeräte geheftet – vermutlich in ein Spiel versunken, das ihre komplette Aufmerksamkeit erforderte. Die Kinder drehten etwas unschlüssig eine Runde über den Spielplatz und fingen dann an, ihre Eltern zum Spielen aufzufordern. „Papa spielst du mit mir?“ Sowas ähnliches wie „Macht doch mal selber was, ihr seid doch jetzt auf dem Spielplatz“ war die Antwort.

In der Zeitspanne, die diese Familie auf dem Spielplatz verbrachte, schafften es die Eltern kein einziges Mal, ihre Bildschirme beiseite zu legen und gemeinsam mit ihren Kindern zu spielen, obwohl diese etliche Versuche unternahmen, sie dazu zu motivieren. Es brach mir das Herz (und ich bin sonst eher nicht so der rührselige Typ) zu sehen, wie die Kinder mit ihrem Wunsch nach Interaktion mit ihren Eltern an deren digitalem Schutzschild abprallten.

Smombie-Eltern? 2 Personen umarmen sich und schauen dabei auf ihre Smartphones
So nah und doch so fern

So spielten die Kinder – und es spielten die Eltern – und waren doch in zwei völlig unterschiedlichen Welten.

Die Eltern waren da und doch nicht da – jedenfalls nicht für ihre Kinder. Kein Spiel, keine Interaktion, kaum Blickkontakt. Als es Zeit zum Aufbruch war, schauten die Eltern immer noch auf ihre Smartphones und schlurften den Weg entlang, geleitet von ihren Kindern.

Rückblickend bin ich froh, dass in Jemandem in dieser Familie der Antrieb groß genug war, den Weg an die frische Luft und das Tageslicht durchzusetzen – ob es die Eltern oder doch die Kinder waren, vermag ich nicht zu sagen. Mein Tipp geht in Richtung Kinder.

Smombie-Eltern = schreckliche Eltern (?)

Wer jetzt sagt: was für schreckliche Eltern! Die sind ja krank! Dem möchte ich entgegenhalten: was für arme Eltern! Wie sieht wohl ihr Alltag aus, dass sie sich in der Freizeit in digitale Welten flüchten müssen? Wie schlecht muss es ihnen gehen, dass sie so ein starkes Bedürfnis haben, ihren Alltag auszublenden?

Strategien zur Flucht aus dem Alltag

Und wenn du dich ein wenig ertappt fühlst, weil du auf dem Spielplatz auch gerne mal durch Insta und Facebook scrollst oder das xte Level von irgendwas zockst: ich will dich nicht verurteilen. Es hilft auch nicht, wenn du dein Smartphone von nun an mit schlechtem Gewissen auf dem Spielplatz benutzt. Manchmal sind Fluchten aus dem Alltag GUT – Auszeiten, Pausen, Ruhe vor der Realität. Denn das Leben (auch und gerade mit Kindern) kann so vieles sein: erschöpfend, überwältigend, langweilig, anstrengend – natürlich auch schön, aber halt auch manchmal so, dass man es kaum aushält, präsent zu sein.

Das Smartphone KANN dafür eine Strategie sein – es gibt Menschen, die „gönnen sich“ Süßigkeiten, eine Zigarette, Shopping, Glotze, Sport und vieles andere mehr, bis hin zu Alkohol und Tabletten – ab einem bestimmten Maß können alle Strategien destruktiv werden.

Behalte dich im Blick

Beobachte dich (es gibt extra Apps, die dein Nutzungsverhalten protokollieren 😉 ). Der übermäßige Wunsch nach Realitätsflucht ist ein Signal, dass du dein Leben vielleicht anders gestalten solltest und du dir Hilfe suchen solltest. Einen anonymen Test, um einzuschätzen, ob du möglicherweise Smartphone-süchtig bist, findest du hier: https://www.therapie.de/psyche/info/test/sucht-tests/handysucht-test/#_

Das Bedürfnis nach Verbindung

Oder geht es dir um etwas anderes? Möchtest du gern in Verbindung sein mit anderen Menschen? Hältst du mit WhatsAPP, facetime und co Verbindung zu Freunden und Familie?

Gerade in Zeiten von Kontakt-Beschränkungen sind Bildschirme paradoxerweise DIE Medien schlechthin geworden, die uns Kontakt zu anderen ermöglichen. Sie können ECHTE Begegnungen im wahren Leben aber nicht adäquat ersetzen!

Schau vom Bildschirm hoch und nutze die Möglichkeiten für direkte Kommunikation in 3D, live und in Farbe – mit deinem Kind oder mit anderen Eltern auf dem Spielplatz – ohne den Schleier des Bildschirms!

Gehörst du zu den Smombie-Eltern?

Gönnst du dir Alltagsfluchten am Smartphone oder hast du andere Strategien? Wie erfüllst du dir dein Bedürfnis nach Verbindung mit anderen Menschen? Ich freu mich über einen Kommentar!

Du hast gerade ein Baby bekommen und noch nicht den Eindruck, dass euer Alltag so ist, dass er gut zu euch passt? Dann ist vielleicht mein Baby-Wegweiser Onlinekurs etwas für dich? Denn ich finde, viele Wege führen nach Rom und bedürfnisorientiert Leben mit Baby geht auch ohne Mama(oder Papa)-Burnout. Schau mal hier: www.baby-wegweiser.de/baby-wegweiser-onlinekurs

Schreibe einen Kommentar